Der Deutschen liebstes Spiel hat sein Heile-Welt-Image verloren. Die bodenständigen, integren Protagonisten von früher, Vorbilder für unzählige Kinder und Jugendliche, sind Playboys gewichen, die, oft selbst noch halbe Kinder, viel zu früh mit dem großen Geld und der Glitzerwelt in Berührung kommen. Auch die Schiedsrichter sind längst nicht mehr die Unbestechlichen, die sie eigentlich sein sollten. Der Lack ist ab im Fußball, und das nicht nur in Deutschland.
Skandal von ungeheurem Ausmaß
Es begann mit dem Bundesliga-Skandal 1970/71, an dem eine große Anzahl an Funktionären, Trainern und Spielern beteiligt war. Als die Spielverschiebungen seinerzeit aufgedeckt wurden, brach ein Wirbelsturm der Empörung über die Liga herein. Verglichen mit den jüngsten Skandalen war der Tumult von damals jedoch nur ein Sturm im Wasserglas. Schon 2005 dachte man, der Gipfel der Wettbetrügereien sei mit der Affäre um Schiedsrichter Robert Hoyzer erreicht worden. Doch schlimmer geht’s immer und so stellen die jüngsten Schiebereien von 2009 einen Skandal von bisher nicht gekanntem Ausmaß dar. Allein in Deutschland waren 17 Partien betroffen, von der U-19 bis hin zum DFB-Pokal. Doch die Wettbetrüger trieben nicht nur in Deutschland ihr Unwesen, sondern auch in Belgien, der Schweiz, Ungarn und Kroatien. Dabei sollen sie nicht nur auf Sieg, Niederlage und Torverhältnis getippt haben, sondern auch auf die Anzahl der roten Karten.
Die Leidtragenden sind Fans und Wettanbieter
Die Wettbetrüger sind mittlerweile angeklagt, doch der Schaden, den sie dem Fußball zugefügt haben, ist immens. Noch immer werden Beweise ausgewertet und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch. Fußballfans in ganz Europa sind enttäuscht und um den Genuss von ehrlich ausgetragenen sportlichen Wettkämpfen gebracht worden. Zu Recht wird in den Medien der Niedergang des europäischen Fußballs proklamiert. Schiedsrichter und Funktionäre haben den Nimbus der Unbestechlichkeit verloren und auch die Spieler haben an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Seit immer wieder Dopingsünder entlarvt werden, sind Sportler nicht mehr als geeignete Vorbilder anzusehen. Dies wird durch den Fußballwettskandal noch bekräftigt. Die Betrügereien haben natürlich auch den Vereinen geschadet, die durch die verschobenen Spiele Niederlagen erlitten haben und vielleicht schlimmstenfalls absteigen mussten. Auch die Wettbüros sind betroffen, schließlich haben sie Wettverträge abgeschlossen, die sie bei Kenntnis der Manipulationen nicht abgeschlossen hätten. Der Skandal zieht also große Kreise.
Harte Strafen sind zu erwarten
Robert Hoyzer wurde seinerzeit zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt und auch jetzt müssen die Angeklagten mit langjährigem Freiheitsentzug rechnen, zumal sie keine unbeschriebenen Blätter sind. Einer der Täter war auch schon in den Skandal um Hoyzer verwickelt und wurde verurteilt. Im Rahmender neuen Ermittlungen wurde er wieder in Haft genommen. Doch auf die Angeklagten könnten auch zivilrechtliche Konsequenzen zukommen. So hat im Fall Hoyzer ein geprellter Wettanbieter erfolgreich auf Schadenersatz geklagt und es ist damit zu rechnen, dass im aktuellen Verfahren diesem Beispiel Folge geleistet werden wird. Der Ausgang des Verfahrens ist jedoch noch offen und ist abhängig von den Beweismitteln, die die Staatsanwaltschaft einbringen kann.
Die Spannung bleibt
Im Augenblick ist es ruhig im Fußball und es gibt keine Hinweise auf einen weiteren Wettskandal. Da jedoch einer der jetzt Angeklagten ein Wiederholungstäter ist, hat das Verfahren einen etwas schalen Beigeschmack, ist doch damit zu rechnen, dass die Manipulationen nach Verbüßung der Haftstrafen wieder beginnen könnten oder, dass gar aus dem Gefängnis heraus die Fäden gezogen werden könnten. Es bleibt also in jedem Fall spannend.
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