Seit einigen Monaten häufen sich die Nachrichten über Fußballspieler und Trainer, die mit der Belastung ihres Berufes nicht mehr zurechtkommen und sich wegen Depressionen behandeln lassen. Es stellt sich die Frage, ob der Druck auf diese Akteure in den letzten Jahren immer größer geworden ist oder ob man sich erst seit kurzem traut offen über diese Probleme zu sprechen. Mit dem Selbstmord von Robert Enke fing alles an.
Selbstmord des Nationaltorwarts
Als der Nationalhüter sich das Leben nahm und selbst Trainer und wichtige Mitarbeiter des DFB von der Nachricht völlig überrascht wurden war klar, dass Depressionen auch im Fußball ein Thema sind. Überraschend ist das nicht, denn gerade Depressionen weiten sich immer mehr zur Volkskrankheit aus, es ist also nicht verwunderlich, dass auch Fußballspieler, Trainer und auch Schiedsrichter mit ihnen zu kämpfen haben. Tragisch ist nur, dass selbst ein gestandener Nationalspieler wie Enke mit seiner Krankheit nicht an die Öffentlichkeit gegangen ist – wohl auch, weil er Nachteile für sich befürchtet hatte. Fußball wird allgemein noch immer vor allem als harter Männersport gesehen, in dem Schwächen wohl nicht toleriert werden.
Immer mehr Akteure outen sich
Immerhin hatte der tragische Tod von Robert Enke auch etwas Positives: Während man davor eigentlich nie etwas über depressive Fußballspieler hörte – den Fall Sebastian Deisler vielleicht mal ausgenommen – ist in der Presse nun immer öfter davon zu lesen, dass sich Spieler wegen Depressionen oder des Burn-out Syndroms in Behandlung begeben. Das Problem betrifft aber nicht nur Spieler – auch Trainer lassen sich inzwischen behandeln, und wie sich herausstellte, war auch der Selbstmordversuch des Schiedsrichters Rafati durch Depressionen bedingt, die er inzwischen behandeln lässt. Allgemein stellt sich trotzdem die Frage, ob sich nach dem Fall Enke einfach mehr Menschen trauen, zu ihren Problemen zu stehen, oder ob der Druck auf alle Akteure im Fußball so stark zugenommen hat, dass sich die Anzahl der Erkrankten erhöhen wird.
Beobachtung von allen Seiten
Vielleicht hat die intensive Beobachtung und Kontrolle von allen Seiten dazu geführt, dass sich viele Akteure im Fußball unter Druck gesetzt fühlen und diesem Druck nicht immer gewachsen sind. Medieninteresse gab es in diesem Sport immer, aber mit immer besserer Technik sind Spieler und auch Schiedsrichter einer immer größeren Kontrolle ausgesetzt. Software zeichnet die Laufwege aller Spieler auf und diese Zahlen werden in Medien veröffentlicht und diskutiert, die man nicht unbedingt zu Fachmedien im Bereich Fußball zählen muss. Ist ein Spieler dann mal etwas weniger gelaufen, als man es von ihm erwarten würde, wird er sofort dafür kritisiert, obwohl das oft nichts mit der Qualität seines Spiels zu tun haben muss. Schiedsrichter, die innerhalb von Sekundenbruchteilen Aktionen bewerten müssen, die auch sie nur ein einziges Mal gesehen haben, werden von Reportern und Fans kritisiert, die zehn Zeitlupen aus mehreren Winkeln zur Verfügung hatten, um sich ein Urteil zu bilden. Der aus dieser ständigen Kontrolle resultierende Druck ist wohl etwas, mit dem nicht alle gleich gut zurechtkommen und an dem einige offensichtlich sogar zerbrechen.
Bildquelle: Nifoto



