TSG 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen oder auch VfL Wolfsburg zählen zu den sogenannten ‘Kommerzvereinen’ der Bundesliga. Die Bedeutung dieses Begriffs soll in Folgendem näher erläutert werden.
Was sind Kommerzvereine?
Viele Leute können mit dem neumodernen Begriff ‘Kommerzverein’ relativ wenig anfangen. Dabei hat die Bedeutung sowie der Stellenwert solcher Vereine in den letzten Jahren, enorm zugenommen. Eine allgemeingültige Definition gibt es zwar nicht, dennoch ist es möglich den Begriff passend beziehungsweise treffend zu umschreiben. Das wichtigste Kriterium, das einen ‘normalen’ Verein zu einem ‘Kommerzverein’ macht, ist, dass der Verein als höchstes Ziel die Geldvermehrung hat. Der Kommerzverein wird zum Großteil von nur einem Sponsor beziehungsweise Investor bestimmt. Diese monotone Vereinspolitik ist meistens auf einen finanziellen Gewinn ausgerichtet. Eine zweite Option, weshalb ein Investor Geld in einen bestimmten Verein ‘pumpt’ ist, dass er eine bestimmte Marke bekannt machen möchte. Oftmals ist diese Marke ein Teil seines Imperiums und dient letztendlich der Wertschöpfung durch Gewinnmaximierung.
Finanz- und Transferpolitik der Vereine
Heutzutage kann ein jedermann Aktien eines Fußballvereins, wie zum Beispiel des aktuellen Meisters Borussia Dortmund, ergattern. Die Aktien eines Fußballvereins werden dabei genauso gehandelt wie die der normalen Finanzwirtschaft. Durch frisches Kapital aus den Märkten kann beispielsweise das Stadion ausgebaut, die Mannschaft verstärkt oder auch Schulden getilgt werden. Nichtsdestotrotz ist die Börse sehr riskant und spielt nach eigenen Regeln. So kann es auch vorkommen, dass ein Börsengang eine drastische Kürzungen der finanziellen Mittel und letztendlich des Etats zur Folge hat. Im schlimmsten Fall kann es sogar eine Insolvenz herbeiführen. Dieses Risiko geht die Vereinsführung vieler Profivereine ein. Wenn man sich die Transferpolitik der letzten Jahre anschaut, stellt man fest, dass hohe Transfersummen für einzelne Spieler ausgegeben worden sind. Millionengehälter sind im Profifußball zudem keine Seltenheit und sind für den Otto Normalverbraucher oftmals nicht nachzuvollziehen.
Die 50+1 Regel
Die sogenannte ’50+1 Regel’ gehört zum festen Bestandteil der DFL (Deutsche Fußball Liga). Es ist ein Paragraph beziehungsweise eine Regelung , die es einem Investor verbietet, mehr als 49% an Anteilen eines Vereins zu besitzen. Diese Bestimmung verhindert somit das Zustandekommen monopoler Vereinspolitik, die auf Entscheidungen einer einzelnen Person beruhen würde. Zahlreiche andere europäische Topligen, wie beispielsweise die englische Premier League haben keine derartige Regelung.
Folgen der Entwicklung zum Kommerzverein
Aufgrund der Finanz- und Transferpolitik wechseln Spieler den Verein teilweise halbjährig. Somit geht ein großes Stück der Identifikation eines Vereins verloren. Spieler die Ihre ganze Karriere in fast nur einem einzigen Verein bestreiten, findet man im heutigen Profifußball nur noch selten. Man könnte annehmen, dass ein Fan eines sogenannten Kommerzvereins, nicht als treuer Weggefährte, sondern als Kunde angesehen wird. Ticket- und Fanartikelpreise sind beispielsweise so teuer wie nie zuvor. Letztendlich sollte man stets einen kritischen Blick auf die Kommerzvereine und deren Entwicklung haben.
Picture: tasssd – Fotolia.com



