In Nordamerika gilt Fußball als Frauensport, wobei er in Europa ein medienrelevanter Männersport ist, der ein Milliardengeschäft umschließt. Wie ist so ein krasser Gegensatz möglich?
Europäischer Fußball
Denkt man an europäischen Fußball, springen einem augenblicklich die Bilder von vollen Stadien, euphorischen Fans und quotenstarken Fernsehübertragungen vor Augen. In Europa gleicht der Besuch eines Fußballspiels dem Gang in eine christliche Messe. Die Stars werden mit Göttern gleich gesetzt, der eigene Verein ersetzt die Religion und der Anteil an Artikeln in Tageszeitungen übertrifft die Wirtschaftsnachrichten. Spieler werden zu Werbeikonen und verdienen durch Aufträge für Sportartikel, Getränke oder Lebensmittel Millionen. Das Gehalt eines Profis bei einem europäischen Spitzenclub ist mit dem eines Topmanagers der Wirtschaft vergleichbar. Bereits Jungen im Kindergarten beginnen damit, den Ball zu kicken und träumen von einer Karriere als Star in einer der europäischen Topligen. Sie wünschen sich Trikots, Fahnen, Bettwäsche oder andere Merchandising Artikel ihres liebsten Vereins und kurbeln so das Milliardengeschäft Fußball immer wieder an. Selbst im erwachsenem Alter bleibt der Fan seinem Club treu, kauft weiter aktuelle Trikots in den Vereinsfarben, ist stolzer Besitzer einer Dauerkarte und verpasst nur ungern ein Spiel seiner Mannschaft. Fernsehanstalten sind bereit mehrstellige Millionenbeträge für Übertragungsrechte zu bezahlen, die es den Vereinen ermöglichen, hohe Transfersummen für neue Spieler auszugeben. Die erworbenen erzielen neben dem sportlichen Erfolg satte Gewinne durch gezieltes Marketing. In Europa ist Fußball schon seit langem kein Amateursport mehr, wobei sich elf Freunde auf dem Bolzplatz treffen. Fußball in Europa ist ein selbstständiger Wirtschaftszweig, wo es neben dem sportlichen Erfolg auch um große finanzielle Gewinne geht.
Fußball in den USA
Anders sieht es da in den Vereinigten Staaten von Amerika aus. Zwar wurde bereits zum Ende der 1970er und zu Anfang der 1980er mit spektakulären Transfers von Altstars wie Beckenbauer, Pelé oder Müller der Versuch gestartet, Fußball als Männersport stärker zu verkaufen, aber selbst durch die Weltmeisterschaft 1994 im eigenen Land oder durch Transfers von aktuellen Stars wie Beckham, Frings oder Henry in der nordamerikanischen Profiliga, wird Fußball dort immer noch mehr als Frauensport betrachtet. Dies kann darin begründet sein, dass Fußball in Nordamerika neben Basketball, American Football, Baseball oder Eishockey unter Männern einen untergeordneten Platz einnimmt und die nordamerikanische Fußballliga sich nur schlecht mit den über Jahrzehnten etablierten Profiligen der nationalen Sportarten in Attraktivität messen kann. Dies könnte daran liegen, dass die nordamerikanischen Profiligen beispielsweise im American Football oder Basketball als die besten der Welt gelten und der männlichen Fußballliga im Vergleich zu europäischen keine Konkurrenz eingeräumt wird. Anders verhält es sich in Nordamerika beim Frauenfußball. Die Profiliga gilt als eine der besten der Welt und ermöglicht es den Spielerinnen im Gegensatz zu Europa, von ihrem Sport zu leben.
Begründung und Ausblick
Der drastische Kontrast zwischen Fußball in Nordamerika und Europa kann also im Konkurrenzverhältnis zu anderen Sportarten begründet liegen. Jedoch ist nicht auszuschließen, dass sich dieses Bild in den nächsten Jahren ändert, da Fußball in Nordamerika unter Männern immer mehr an Stellenwert gewinnt.
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