Ein Rückblick auf die Fußball-EM 2008

Gepostet von Nationalspieler am Dez 1, 2011 in Fußball | Kommentare deaktiviert

Fußball EM 2008Niemand wird abstreiten können, dass die deutsche Nationalelf es bei der EM 2008 weit gebracht hat. Fantastischer Fußball, tolle Spiele, es hat Spaß gemacht, dieser Mannschaft zuzuschauen. Zum Europameister hat es nicht gereicht, im Endspiel mussten wir uns den Spaniern mit 0:1 geschlagen geben, aber macht nichts, toll war es trotzdem.

Mit dem Rücken zum Spielfeld

Wer sich den Luxus gegönnt hat dieses Endspiel entspannt zu verfolgen, dem wird aufgefallen sein, dass durchschnittlich zwei von drei Kameras gar nicht mehr auf das Spielfeld gerichtet waren. Die Fotografen saßen vielmehr mit dem Rücken zum Spielfeld. Aus gutem Grund. Am Rande des Spielfeldes bzw. auf der Tribüne tobte das Leben, hier wurden auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens Antworten gefunden: Welche Promis sitzen dort? Geben sich König Juan Carlos und Angela Merkel die Hand oder halten sie Händchen? Warum ist Kronprinz Willem Alexander im Stadion, wo die Niederländer doch schon ausgeschieden sind? Wird es zwischen Juan Carlos, dem König von Spanien und Wolfgang Schäuble, Deutschlands Finanzminister, einen Hemdentausch geben? Man muss zugeben: Diese Fragen sind von ungleich größerer Bedeutung als das Gekicke auf dem Rasen. Auf der Ehrentribüne saß alles, was Rang und Namen hat. Von Wolfgang Schäuble bis Dustin Hoffman, von König Otto von Griechenland bis König Otto von Rehagel.

Wer zu spät kommt…..

Nur Angela Merkel, sie kommt nicht, sie ist irgendwie immer schon da. Fast so, als gehöre sie zum Spiel, ähnlich dem Schiedsrichter. Nichts scheint sie abhalten zu können, selbst Platini nicht. Dieser, in den achtziger Jahren über das Spielfeld wuselnde Franzose, hat gegen unsere zu dieser Zeit Standfußball übende Mannschaft, nichts, aber auch gar nichts gewonnen. Das nimmt er Angela Merkel heute noch übel. Dennoch stand sie auch bei diesem Spiel wie ein Fels in der Brandung auf der Tribüne. Und wie bei jedem Spiel der Fußball-Nationalmannschaft gab es auch diesmal wichtigere Fragen als Mannschaftsaufstellung oder Taktik: Kann sie den Text der Nationalhymne? Wird sie überhaupt singen? Und welche Garderobe wird sie schmücken? Die Opernrobe aus Oslo, die mehr Diskussionen ausgelöst hat als die Oper?

Klose, Gomez oder Merkel?

Das sind die Fragen, die die Welt bewegen. Dagegen verblasst bei einem Endspiel die Information darüber, welcher Nationalität der Schiedsrichter angehört oder ob nun Klose oder Gomez von Anfang an stürmen dürfen. Dabei hat unsere Kanzlerin beim Fußball noch nie eine Mördergrube aus ihrem Herzen gemacht. In Treue fest, hat sie Ihre Freude am Spiel der deutschen Mannschaft und zeigt das auch. Das gelingt nicht allen fußballschauenden Politikern so hervorragend. In immer größerer Zahl strömen sie, mit dem Elan von Zuschauern beim Schachturnier, in die Stadien Deutschlands.

Das war nicht immer so, früher war der Elan noch geringer. Für die Weltmeistermannschaft von 1954 hat sich niemand der damaligen Spitzenpolitiker auf den Weg in die Schweiz gemacht. Ein Politiker mit der Last der Welt auf den Schultern sitzt auf der Tribune und schaut zu, wie 22 Männer ihrem kindlichen Spieltrieb fröhnen – für Konrad Adenauer undenkbar.

Bild: Rui Araujo – Fotolia.de

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